Schon der erste Blick in die Ausstellung ist grandios. Er führt vom Eingangsbereich durch den geöffneten Türflügel in das einstige Arbeitszimmer von Joseph Beuys und weiter durch die Fensterscheibe in den (noch) grünen Garten. Mitten im Zimmer steht ein Zaun in der Sicht, dessen Stäbe Durchlässigkeit suggerieren, aber nicht ermöglichen und so den Austausch von innen und außen fördern. Als Käfig, der die Proportionen des Zimmers aufgreift, umfängt er einen großen, langgestreckten amorphen Klumpen aus unbestimmbarem Material in dem gleichen gedeckten Grün wie der Zaun, das nichts vorgibt, aber nun hochglänzend ist und alles Licht reflektiert. Mit wenigen Auflagepunkten, an der Seite eine aufgedruckte Ziffernfolge, die an Produktionsprozesse denken lässt, sieht er mit jedem Schritt anders aus. Und indem er mit seiner wechselhaften Oberfläche und seinen Dimensionen nicht zu überschauen ist, entzieht er sich dem Verstehen und bleibt Geheimnis.
Wilhelm Mundt hat hier eine Installation errichtet, die den ganzen Raum aktiviert, noch das Ofenloch von Beuys hinter der Tür einbezieht und über seine skulpturale Ästhetik hinaus (praktische und philosophische) Fragen aufwirft. Werden wir durch den Käfig vor einem lebendigen Wesen geschützt? Oder handelt es sich um etwas Seltenes, Wertvolles, etwa einen Meteoriten, das nur aus Abstand betrachtet werden darf?
Wilhelm Mundt wurde 1959 in Grevenbroich geboren, er hat an der Kunstakademie Düsseldorf studiert, 2009 wurde er zum Professor an die Kunstakademie Dresden berufen. Bekannt wurde er vor allem mit den „Trashstones“, die er seit Ende der 1980er Jahre im Atelier in Rommerskirchen erstellt. In ihrem Inneren sind Arbeitsrückstände, Sperrmüll, sonstige Reste verdichtet und dann mit vielen Schichten aus Folien und Leim umhüllt, gefestigt. Die Oberfläche ist mit Farbe und Lack überzogen, wobei einzigartige, einmalige Formen als eigene Welten entstehen. Was sich in diesen Körpern befindet, bleibt verborgen, die Werke sollen wirken, als seien sie vom Himmel gefallen. Es geht um die Beziehung, die wir zu ihnen herstellen, die im Gegenüber eine hohe existenzielle Aufladung erhalten.
Im benachbarten Raum des einstigen Wohn- und Atelierhauses von Joseph Beuys hat Mundt einen weiteren, direkt zugänglichen „Trashstone“ auf dem Parkett positioniert. Aus der milchig weißen Haut fließt nun von oben ein Büschel schwarzer Schnüre herab, das an einen Pferdeschweif erinnert, aber rundum wieder nach oben führt, also im ständigen Fluss scheint. Der Raum enthält noch sämtliche andere Medien, mit denen er arbeitet: eine große Fotoarbeit, eine frühe Zeichnung, ein Video über seinen Arbeitsprozess, das in der zurückgesetzten Platzierung in der Wand das Ofenloch repetiert. Alles macht Sinn und fügt sich als eine Essenz von Mundts Schaffen und als tastendes Erfahren der Ausstellungsräume zusammen: Noch spannungsvoller, erfüllt von Energie geht es nicht.
Wilhelm Mundt – Zuflussregelung, bis 31. Jan. in der Brunhilde Moll Stiftung, Drakeplatz 4, 40545 Düsseldorf-Oberkassel, Sa, So, Di 12-16 h, Do 14-18 h
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