Wandmalereien sind eine spezielle Methode der monumentalen Malerei, die, nachdem sie als Freskomalerei in den Kirchen und Palästen der Renaissance praktiziert wurde, heute vor allem draußen, im öffentlichen Bereich zu sehen ist: als Bemalung ganzer Fassadenflächen. Berühmt ist der Muralismo in Mexiko ab den 1920er Jahren, in Düsseldorf lebt diese Tradition dank Klaus Klinger – zunächst mit der Wandmalgruppe und dann dem Verein Farbfieber – seit Jahrzehnten fort: als ästhetischer Zugewinn im öffentlichen Raum und thematisch als kritische Hinterfragung der sozialen Gesellschaft. Weitere Beiträge für Wandmalerei befinden sich am Bilker Bahnhof. Eine ihrer Hauptstädte ist übrigens Wuppertal.
Und wenn die Wandmalerei wieder nach drinnen geht? Das unternimmt jetzt die mehrteilige Ausstellung „Work in Progress“ in der Kunsthalle am Grabbeplatz. Diese stellt dazu sämtliche Ausstellungsflächen zur Verfügung, so dass man von allen Seiten von der Malerei an den Wänden umgeben ist, aber sogar auch auf ihr steht. Man läuft mit erhobenem Kopf auf das riesengroße Bild zu, an ihm entlang und regelrecht durch es hindurch. Dazu setzen sich die Einzelausstellungen, getrennt durch das Treppenhaus, in den Seitenlichtsaal und den Galeriesaal (noch mit verändertem Blick hinab in den Kinosaal) fort. Die Entstehung mit ihren vorläufigen Zuständen ist Teil der Ausstellung, bei der fünf renommierte Künstlerinnen und Künstler hier nacheinander – jeweils über einen Monat – malen. Das Temporäre wird zu einem kuratorischen Prinzip. Die eine Wandmalerei ist noch partiell zu sehen, während die andere an anderer Stelle schon (nach dem Zwischenschritt der weißen Übermalung) entsteht. Dabei können Besucher zuschauen und vielleicht mit den Malern ins Gespräch kommen. Navot Miller hat eine lichtdurchflutete starkfarbige Landschaft mit Menschen am Strand gemalt. Rosilene Luduvico hat, angeregt vom Amazonas Regenwald, ein flimmernd fließendes Volumen aus Farbfäden geschaffen, das an einen Wasserfall erinnert und in dem sich der Blick verliert und immer neue Farben und ihre Bewegtheit aufblitzen. Federico Herrero verzahnt pastellfarbene Puzzleteile zwischen Fläche und Raum, die sich noch über den Boden fortsetzen und zwischendurch Figürliches anklingen lassen. Auf Stefan Marx (bis 2. August), der mit Kontur, Schrift und comicartigen Elementen arbeitet, folgt am Schluss Joëlle Dubois. Danach wird auch diese Malerei übermalt, und alles, was man an dieser Ausstellungsfolge nicht mit eigenen Augen gesehen hat, wird man auch nicht mehr erleben können: Es bleibt als vergangenes, herausragendes – im übrigen performatives und kommunikatives – Projekt der Kunsthalle in der Erinnerung und auf Fotografien im Internet.
Work in Progress, bis 30. August in der Kunsthalle am Grabbeplatz,
www.kunsthalle-duesseldorf.de
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