Er war der bildgewaltige Ästhet des NS-Kinos, Abenteurer und Pionier der Berg- und Unterwasserkamera: Hans Ertl prägte als Kameramann Klassiker wie S.O.S. EISBERG (1932/33) ebenso wie Leni Riefenstahls OLYMPIA (1936-38) oder ihren NS-Propagandakurzfilm TAG DER FREIHEIT! – UNSERE WEHRMACHT (1935). Begünstigt durch das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda erlebte er die späten 1930er-Jahre als die „schönste Zeit“ seiner Laufbahn.
Ertl bediente stets die gängigen Kolonial- und Überlegenheitsfantasien seiner Epoche, inszenierte sich selbst jedoch zeitlebens unkritisch als unpolitischen Künstler und bloßen Passagier der Weltgeschichte. Die Quittung folgte nach 1945: Mit einem Berufsverbot belegt, schlug er sich zunächst mit Fotoreportagen durch. Als ihm 1954 der bereits zugesagte Bundesfilmpreis für seine wegweisende Bergdokumentation NANGA PARBAT (1953) verwehrt wurde, wandte er der Bundesrepublik endgültig den Rücken zu. Ertl wählte Bolivien als Exil – ein Land, das er bereits ab 1948 im Rahmen einer mehrjährigen Expedition bereist hatte. Dort drehte er Natur- und Expeditionsfilme wie HITO-HITO (1958) und feierte Erfolge beim Publikum.
In Bolivien bewegte sich Ertl im Milieu geflohener NS-Täter. Er verhalf Klaus Barbie, dem „Schlächter von Lyon“, der den Deckmantel „Klaus Altmann“ trug, zu dessen ersten Anstellung. Barbie wurde für Ertls Töchter gar zum vertrauten „Onkel Klaus“. Die Tragik dieser Verstrickung entfaltete sich vollends bei Ertls Lieblingstochter Monika: Sie radikalisierte sich politisch, schloss sich der bolivianischen Befreiungsarmee (ELN) an und wurde 1973 vom bolivianischen Geheimdienst exekutiert. Der gezielten Jagd auf sie ging die Ermordung des bolivianischen Konsuls in Hamburg voraus, den Monika Ertl aus Vergeltung für die Hinrichtung Che Guevaras erschossen hatte.
Hans Ertl zog sich als exzentrischer Eremit auf sein bolivianisches Anwesen „La Dolorida“ zurück. Vor der Tür hisste er ein Schild mit der Aufschrift „Freistaat Bayern“, im Kopf pflegte er ein tiefes Opfernarrativ.
Diese Filmreihe zeichnet das Porträt eines filmtechnischen Genies, dessen radikaler politischer Opportunismus in menschliche und familiäre Abgründe führte.
Die Reihe im Überblick:
MI 11.11. 20:00
S.O.S. EISBERG
D 1932/33 · 94 min · 35 mm · FSK 6 R: Arnold Fanck · B: Arnold Fanck, Hans Hinrich, Friedrich Kohner, Dr. Fritz Loewe, Dr. Ernst Sorge · K: Richard Angst, Hans Schneeberger, Hans Ertl (Assistenz) D: Gustav Diessl, Leni Riefenstahl, Sepp Rist, Ernst Udet, Gibson Gowland u.a
SA 14.11. 18:30
OLYMPIA: FEST DER VÖLKER
D 1936-38 · 126 min · digitalDCP · FSK 6 · R/B: Leni Riefenstahl K: Herbert Windt, Willy Zielke, Hans Ertl, Walter Frentz, Guzzi Lantschner u.a.
SA 14.11. 21:00
OLYMPIA: FEST DER SCHÖNHEIT
D 1936-38 · 102 min · digitalDCP · FSK 6 · R/B: Leni Riefenstahl K: Herbert Windt, Willy Zielke, Hans Ertl, Walter Frentz, Guzzi Lantschner u.a.
FR 20.11. 19:00
GESUCHT: MONIKA ERTL
BRD 1989 · 89 min · digitalDCP · FSK 6 R/B: Christian Baudissin · K: Jörg Schmidt-Reitwein
SA 21.11. 19:00
HOTEL TERMINUS. THE LIFE AND TIMES OF KLAUS BARBIE
HOTEL TERMINUS. LEBEN UND ZEIT VON KLAUS BARBIE
USA 1985-88 · 267 min · frz./dt./span./engl. Original mit dt./frz. Untertiteln 35 mm · FSK 12 · R/B: Marcel Ophüls · K: Michael J. Davis, Pierre Boffety, Reuben Aaronson
MI 2.12. 20:00 | FR 11.12. 19:00
NANGA PARBAT
BRD 1953 · 96 min · 35 mm · FSK 6 ¬ R/B/K: Hans Ertl
SA 12.12. 19:00 | MI 23.12. 20:00
TAG DER FREIHEIT! – UNSERE WEHRMACHT
D 1935 · 29 min · digitalDCP · ab 18 R: Leni Riefenstahl · K: Hans Ertl, Walter Frentz, Albert Kling u.a.
HITO-HITO
BRD 1958 · 93 min · 35 mm · FSK 12 · R/B: Hans Ertl · K: Hans Ertl, Monika Ertl
BLACK BOX – Kino im Filmmuseum der Landeshauptstadt Düsseldorf
Schulstraße 4
40213 Düsseldorf
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