Ben J. Riepe HOLY SHIT – A Human Experience.
Foto: Alexander Basile

HOLY SHIT

Sinnliche Erfahrung und kollektive Explosion am tanzhaus nrw

Ansteckung pur: Im März verwandeln gleich zwei außergewöhnliche Stücke die Bühne in energiegeladene Erfahrungsräume.

Mit dem international gefeierten Gastspiel Burning City (Do 12.03.) des renommierten flämischen Kinder- und Jugendtheaters hetpaleis aus Ant­werpen sowie der Uraufführung von HOLY SHIT – A Human Expe­rience (Fr 20.03. + Sa 21.03. + So 22.03.) des Düsseldorfer Choreografen Ben J. Riepe stehen zwei Arbeiten auf dem Programm, die auf ganz unter­schiedliche Weise mitreißen und berühren. 

Den Auftakt macht Burning City, in Belgien von der Presse als energetisches Manifest gefeiert, als Funke, der überspringt – so die Wirkung dieses großen Ensemblestücks, das die Grenzen zwischen Theater, Kon­­zert und politischem Aktivismus lustvoll auflöst. Tanzperformance trifft auf Rap-Konzert, theatrale Modenschau auf kollektive Wider­stands­­bewegungen. Eine Stadt steht in Flammen – aber nicht aus Zer­stö­rungs­wut, sondern vor Energie.
Im großen Saal des tanzhaus nrw entsteht ein vibrierender Resonanz­raum, getragen von einem starken Ensemble aus insgesamt 13 Per­for­mer*innen, das keine Angst vor Lautstärke und Haltung hat. HipHop, Funk, Soul und Rock treiben den Puls in die Höhe. Tanz, Spoken Word und Rap erzählen von Widerstand, Sehnsucht und Überlebenswillen: ein gemeinsamer Rausch aus Rhythmus, Blicken und Atem. Mal präzise und choreografiert, mal roh und instinktiv wirken die Bewegungen wie ein kollektives Statement: Wir sind da. Und wir sind viele. 

Burning City macht Lust auf Gemeinschaft, auf Haltung, auf diesen Mo­ment, in dem aus Performer*innen und Publikum eine mitreißende Men­­ge wird. Das erlebt man am besten im Familienverband oder mit dem Freundeskreis! Bring all your friends!
Nur wenige Tage später folgt mit HOLY SHIT – A Human Experience die mit Spannung erwartete neue Arbeit von Ben J. Riepe – und ein anders gesetzter Akzent. Der Choreograf erprobt immer wieder neue Formen zwischen Tanz, Installation und performativer Versuchsanordnung. Seine Stücke sind geprägt von präziser ästhetischer Setzung, starken Bildräumen und einem Interesse an kollektiven Erfahrungsprozessen. Der Düsseldorfer Choreograf verwandelt die Bühne für seine neue Arbeit in einen Raum zwischen Kathedrale, Lounge und künstlichem Horizont. Hier geht es weniger um kollektive Explosion als um verdichtete Präsenz. Aber auch Ben J. Riepe lädt hier nicht nur zum Zu­schauen, sondern zum Teilnehmen ein. 
Ausgehend von der Figur eines*r Seher*in – zugleich menschlich und übermenschlich, verletzlich und autoritär – entfaltet sich eine Per­for­mance-Session zwischen Dystopie und Utopie, Zerstörung und Ver­hei­ßung. Text, Musik sowie Sound- und Lichtlandschaften, die spürbar auf das Nervensystem wirken, verbinden sich mit KI-generierten Video­wel­ten und Live-Bildern zu einem immersiven Erfahrungsraum. Dabei geht es um nicht weniger als die Frage, wie heute noch Ver­bundenheit entstehen kann – jenseits von Ironie, spirituellem Aus­weichen oder distanzierter Beobachtung. „HOLY SHIT ist der Versuch, auf der Bühne ge­mein­sam einen Zustand zu erreichen – nicht über Erklärungen, sondern über den Körper“, beschreibt Ben J. Riepe. 

HOLY SHIT versteht sich weder als Wellness-Ritual noch als konsumierbares Gemeinschaftsgefühl. Vielmehr ist es ein Angebot zwischen Schönheit und Zumutung, zwischen Theaterabend und angeleiteter Session – eine sinnliche Erfahrung, die nachwirkt und das Publikum verändert entlässt.

Erlebe Tanz in Düsseldorf: www.tanzhaus-nrw.de

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