Schon zweimal hat Katharina Sieverding in der Kunstsammlung NRW ausgestellt – 1997/98 umfassend am Grabbeplatz, 2014 in der Bel Etage von K21 –, zudem ist derzeit ein Fries ihrer Billboards an der alten Paketpost neben dem Hauptbahnhof zu sehen, und dass sie nun ein weiteres Mal ausstellt, zeigt, wie bedeutend und aktuell ihr Werk geblieben ist und wie sehr sie mit Düsseldorf verbunden ist. Sieverding (*1941 Prag) hat ihr Studium in Hamburg begonnen, ist dann nach Düsseldorf gewechselt und hat in der Bühnenbildklasse von Teo Otto und in der Klasse von Joseph Beuys studiert. Sie sorgte bereits ab Ende der 1960er Jahre für Aufsehen: zunächst mit Polaroids und sodann mit großen Serien monumentaler fotografischer Close-Up‘s ihres Gesichts en face. In ihrer Eindringlichkeit befragen sie Identität und Geschlecht und die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft; sie weisen auf Repräsentanz und auf moralische Verantwortung. In den übereinandergelegten Diapositiven frontaler Porträts von ihr und Klaus Mettig verschmelzen die beiden Gesichter (1973-74) – genauso könnte diese Installation auch aus der Jetzt-Zeit stammen.
Eine andere Bildquelle sind kollektive Bilder aus Printmedien, die sie als Billboards, teils im öffentlichen Außenraum, mit Schriftzeilen versehen hat. Die Themen entstammen – im Einzelnen – der mangelnden Aufarbeitung der NS-Zeit und dem heutigen Rassismus oder dem atomaren Wettrüsten und der Unbeherrschbarkeit der Technologien, den Konflikten auf der Welt mit der Unterdrückung von Protestbewegungen und der Migration oder der Zerstörung der Erde und ökologischen Dringlichkeit. Die große Qualität von Katharina Sieverding, die an der UdK Berlin als Professorin gelehrt und 1997 im Deutschen Pavillon auf der Biennale Venedig ausgestellt hat, sich aber genauso für die Obdachlosenhilfe fiftyfifty engagiert, ist es, analytisch, anschaulich und in ästhetischer und technisch experimenteller Formlösung die Probleme in ihrem Kern zu benennen.
Es ist also ein Geschenk, dass sie im K21 jetzt einen Überblick über ihr Gesamtwerk zeigt, darunter die frühen Werke und in Ausschnitten ihr Archiv, welches das politische Engagement in der Beuys-Klasse und ihren anschließenden Austausch mit der Avantgarde der Neuen Medien in den USA dokumentiert. Natürlich „funktioniert“ eine Werkschau anders als eine immersive installative Präsentation. Aber auch jetzt zieht ihre filmische Animation einer blauen Sonne aus 200.000 NASA-Bildern in den Bann so wie ihr Film „Life-Death“ von 1969 fasziniert: Schon darin ist vieles von dem angelegt, was Katharina Sieverding seither geschaffen hat und was längst zu den ikonischen, unverzichtbaren Werken der jüngeren Kunst gehört. Danke!
Katharina Sieverding, bis 23. März im K21, Ständehausstraße 1 in Düsseldorf, Di-So 11-18 Uhr, Tel. 0211.83 81-204
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