So umfassend wie jetzt im Stadtmuseum wurden noch nie die Künstlerinnen mit Fotografie aus Düsseldorf ausgestellt. Die Gruppenausstellung trifft allenthalten den Zeitgeist im Interesse an (übersehenen) Künstlerinnen: So finden derartige Ausstellungen gerade auch im Kunstpalast und im Malkasten statt. Natürlich machen alle diese Ausstellungen Sinn. Im Stadtmuseum streift sie alle großen Themen der Fotografie im 20. und 21. Jahrhundert, sie berücksichtigt die bekannten Namen, aber auch weniger bekannte und holt vergessene hervor. Sie verdeutlicht, welche Fotokünstlerinnen in der Landeshauptstadt gearbeitet haben und hier leben und dass Fotografie ein Beruf und eine Kunst ist. Fotografie ist hier weitgefasst, einbezogen sind Videos, aber auch die Erweiterungen zur Installation und zum Relief und die Collage (z.B. Norika Nienstedt), digitale Montage (Christine Erhard) und die Übermalung von Fotografie (Anys Reimann).
Die locker chronologische Hängung wird verschränkt mit den Genres und Sujets, wobei diese teils von vergangenen und aktuellen sozialen Phänomenen und dem Vorkommen im Stadtbild bestimmt sind – Fotografie ist immer noch das Medium der Dokumentation, auch wenn die Tendenzen des Inszenierten und digital Bearbeiteten daneben treten. Als eine der herausragenden Künstlerinnen wird gleich zu Beginn Hilla Becher in ihrer Zusammenarbeit mit Bernd Becher (leider nicht alleine, wie derzeit in der Photographischen Sammlung in Köln) gezeigt. Ganz brav daneben hängen Aufnahmen von Petra Wunderlich, die zur älteren Studentengeneration an der Kunstakademie gehört. Thematisch verteilt finden sich hingegen die Aufnahmen anderer Schülerinnen der Becher-Klasse, von Tata Ronkholz und Candida Höfer über Simone Nieweg und Natascha Borowsky bis hin zu Nina Schmitz.
Aber es sind auch aktuelle Professorinnen der Kunstakademie vertreten, die mit dem Medium Fotografie arbeiten, Dominique Gonzalez-Foerster ebenso wie Danica Dakic. Mit Videokunst sind Nan Hoover und Katharina Sieverding beteiligt, die (gemeinsam mit Klaus Mettig) einen Film zeigt, der in China aufgenommen wurde, anstelle ihrer monumentalen Selbstporträts. Hingegen thematisieren Selbstporträts anderer Künstlerinnen Fragen der Identität und Selbstbestimmung. Ein weiteres Anliegen ist die Natur im Stadtraum zwischen Domestizierung und freier Natur. Architektur und Interieur werden als Repräsentation oder Struktur erfasst oder in ihrer Funktion hinterfragt (Julia Zinnbauer). Dazu finden sich experimentelle Positionen, die etwa das Licht selbstreferentiell betonen, etwa von Monika Baumgartl. Bei den rund 240 Beiträgen von 120 Künstlerinnen gäbe es noch viel zu beobachten und anzumerken – insgesamt ist die Ausstellung ein eindrucksvolles Statement für den Beitrag von Frauen zur Fotografie als künstlerischem Medium, über Düsseldorf hinaus.
Perspektivwechsel. Fotografinnen in Düsseldorf, bis 4. Januar im Stadtmuseum Düsseldorf, Di-So 11-18 Uhr
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